Opel-Treffen: An der Biebesheimer Rheinhalle treffen sich 460 Freunde des Autos mit dem Blitz als Markenzeichen
BIEBESHEIM Da sage noch einer, Menschen mit Freude an aufgemotzten Autos hätten - von Fachliteratur mal abgesehen - keinen Sinn für die Kunst des geschriebenen Wortes. Im ...
Beflügelte Fahrzeuge wie dieser Opel Corsa C parkten am Sonntag zuhauf beim Opeltreffen vor der Biebesheimer Rheinhalle. Über 400 Fahrzeuge, mehr oder weniger getunt, waren zu sehen. Die Opel Interessengemeinschaft Südhessen organisierte das Treffen. Foto: Robert Heiler
Da sage noch einer, Menschen mit Freude an aufgemotzten Autos hätten - von Fachliteratur mal abgesehen - keinen Sinn für die Kunst des geschriebenen Wortes. Im Gegenteil: Der Besitzer eines Opel Corsa, der am Samstag auf dem Parkplatz der Rheinhalle stand, beschäftigt sich sogar mit Weltliteratur - genauer gesagt, mit einem der meist gelesenen Autoren der Gegenwart.
Auf einer Autotür steht schwarz auf hellblau die Biografie von Stephen King in Kurzform. Der Rest des Kleinwagens ist übersät mit Buchtiteln des 1947 in Portland (USA) geborenen Autors: Der Roman ,,Bag of bones" etwa (auf Deutsch erschienen unter dem Titel ,,Sara"), das Drehbuch zum Fernseh-Dreiteiler ,,Storm of the century" (,,Der Sturm des Jahrhunderts") oder die Kurzgeschichte ,,The mangler" (,,Der Wäschemangler").
Der Corsa war eines der auffälligsten mobilen Exponate, die beim siebten Tagestreffen der Opel-IG Südhessen vorfuhren. 460 Autos mit dem Zeichen des Blitzes oder dem Logo der Opel-Schwestermarke Vauxhall, dem Greif, parkten vor der Rhein- und der Auktionshalle.
2009 waren es noch 510 vierrädrige Schmuckstücke, im Jahr zuvor sogar 520. Dass diesmal weniger Opelfreunde kamen, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der IG, Patrick Scherner, mit gleichzeitigen Treffen in anderen deutschen Regionen - beispielsweise die Großereignisse ,,German Race Wars" auf dem Kindel bei Eisenach (Thüringen) und ,,Tuning World" in Friedrichshafen am Bodensee. Weil die Autoliebhaber teilweise von weit her anreisen, so Scherner, wirken sich solche Konkurrenzveranstaltungen in sinkenden Teilnehmerzahlen aus. Die weiteste Fahrt nach Biebesheim habe ein Opel-Freund aus Berlin gehabt.
Das Reisen gehört offenbar zu den Leidenschaften eines Kadett-Fahrers, der auf dem Dachgepäckträger seines grünen, hier und da von Rost angenagten Autoveteranen zwei alte Lederkoffer nebst Reserverad verstaut hat. Das Gegenteil dieses restaurierungsbedürftigen Oldies stand daneben, ein roter, blank gewienerter Tigra.
Viele Aussteller machten darauf aufmerksam, dass außer einem schnittigen und bulligen Äußeren auch innere Werte zählen. Und so war manche Motorhaube aufgeklappt, um zu präsentieren, welches Prachtstück an Motor, verchromt und blitzblank poliert, den veredelten Boliden antreibt.
Unter den Oldtimern glänzten einige liebevoll restaurierte Opel GT. Ein Sportwagen, von 1968 bis 1973 gebaut, bei dem sich Kraft und Eleganz zu einem harmonischen Ganzen vereinigen. Auf einem Klappscheinwerfer der in Biebesheim zur Schau gestellten GT-Flitzer ist eine Signatur zu entdecken, die sich bei genauerem Hinsehen als Autogramm des zweimaligen Rallye-Weltmeisters Walter Röhrl erwies.
Abseits der Opelparade auf dem Parkplatz gab es eine kleine Gewerbeschau. An Tuning-Ständen bekamen die Opel-Jünger allerlei Anregungen, wie sie ihre automobilen Lieblinge optisch in Form bringen können. Ein Air-Brush-Stand bot ihnen den Service, das Auto gleich mit einem Motiv ihrer Wahl besprühen zu lassen. Auch ein Glasgravierer, ein Spezialist für Dellenentfernung und ein Anbieter von Modellautos hatten Stände.
Und wer wollte, konnte sich mit seinem Blitzmobil einem Vergleich stellen. Getrennt nach Autokategorien wurden die Teilnehmer aufgerufen, zu einer Fahrzeugbewertung vorzufahren. Eine Jury benotete dann die Qualität der technischen Veränderungen und den optischen Gesamteindruck. Wie in den vergangenen Jahren hatte die Opel-IG insgesamt 60 Pokale fertigen lassen, um die Sieger zu prämieren.